Die Infektionsquelle ist noch aktiv und unbekannt. Der lebensgefährliche Darmkeim EHEC HUSEC041 (O104:H4) verbreitet sich weiter.
Er ist aktuell deutschlandweit für mindestens 1400 Erkrankungen — etwa 350 davon mit der schweren Verlaufsform HUS, “hämolytisch-urämisches Syndrom” — und 15 Todesfälle verantwortlich.
Laut Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) ist die Infektionsquelle noch immer “aktiv”. Bahr rechnet mit steigenden Infektionszahlen und rief die Bürger zu weiterhin “größter Vorsicht” auf. Die Einhaltung von Hygienevorschriften sei der beste Schutz vor einer Ansteckung.
Die Krankheit hat eine Inkubationszeit von etwa 8 Tagen, so dass Erkenntnisse über den Verbreitungsgrad immer mindestens eine Woche rückblickend sind.
Quelle im Süden, Verbreitung in Norden?
Die meisten Infektionen gab es in Norddeutschland, speziell in Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachen. Sachsen und Brandenburg sind die einzigen Bundesländer ohne gemeldeten EHEC Fall.
Nachdem ursprünglich Bio-Gurken aus Spanien Verdacht kamen, die gesuchte Quelle der Infektionswelle zu sein, wurde dieses inzwischen widerlegt. Zwar wurde auf den Gurken EHEC-Erreger nachgewiesen, allerdings nicht des Stamms Typ O104, der die aktuellen Erkrankungen ausgelöst hat.
Anders als es oft interpretiert wurde, warnte das Robert Koch Institut jedoch nicht ausdrücklich vor Gemüse aus Norddeutschland, sondern vor dem Verzehr roher Tomaten, Salatgurken und Blattsalate “insbesondere in Norddeutschland”.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung “empfiehlt derzeit weiterhin vorsorglich Tomaten, Salatgurken und Blattsalate nicht roh zu verzehren. Diese Hinweise, die insbesondere auf in Norddeutschland erhältliche Ware abzielen, haben weiterhin Bestand, solange die Ermittlungen des Ausbruchsgeschehens andauern”.
EHEC Symptome
EHEC produziert Giftstoffe, die im Darm freigesetzt werden, wodurch es zu blutigen Durchfallerkrankungen kommen kann. Typische Symptome sind Übelkeit, Erbrechen und leichter, wässriger Durchfall. Bei schwerem Krankheitsverlauf treten blutiger Stuhl und schmerzhafte Bauchkrämpfe auf.
Durch die EHEC-Gifte kann es zu Blutarmut, Gefäßschädigungen und Nierenfunktionsstörungen kommen, die besonders bei Kindern unter Umständen tödlich verlaufen.
Hoffnung durch neues Medikament
Die schwersten Fälle von Ehec-Infektionen werden jetzt mit einer experimentellen Behandlung bekämpft. Nach ersten Versuchen zeigen sich die Mediziner optimistisch, dass der schon seit 2007 auf dem Markt befindliche Wirkstoff Eculizumab auch gegen den gefährlichen Darmkeim hilft. Eculizumab greift in das Immunsystem ein und hemmt die Zerstörung von Blutzellen.
Das renommierte Fachblatt “New England Journal of Medicine” veröffentlichte kürzlich einen Artikel über die experimentelle Therapie, die zunächst bei nur 3 Patienten eingesetzt wurde. Ihr neurologischer Zustand sei nach der Behandlung wieder völlig normal gewesen, die Nieren hätten einwandfrei gearbeitet.
Kein Wundermittel
Der sogenannte Antikörper Eculizumab wird seit knapp einer Woche in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) eingesetzt, wo etwa 50 EHEC-Patienten die schwere Verlaufsform HUS haben.
Der Direktor der Abteilung für Nieren- und Hochdruckerkrankungen, Hermann Haller, sagte zu dem neuen Medikament: “Es nützt etwas, aber es ist kein Wundermittel.” Die bisherige Behandlungsdauer sei noch zu kurz, um eine eindeutige Stellungnahme abzugeben.
Quellen und Links:
Bild: So funktioniert der EHEC Keim
BildBlog: Panikmache in deutschen Landen
Robert Koch Institut: Häufung des lebensbedrohlichen, durch Bakterien verursachten HUS
Spiegel Online Wissenschaft: Neue Therapie weckt Hoffnung für Ehec-Patienten
New England Journal of Medicine: Complement Blockade in Severe Shiga-Toxin–Associated HUS
TAZ: Es hilft, ist aber kein Wundermittel
Illustration: geralt / PIXELIO




















