Posts Tagged ‘Chemotherapie’

Erfolg im Kampf gegen AIDS: HIV Infizierter geheilt

Friday, July 23rd, 2010

Im Kampf gegen die tödliche Immunschwäche-Krankheit AIDS gab es einen aufsehenerregenden Erfolg: Berliner Ärzten gelang es erstmalig, einen HIV-Infizierten zu heilen und offenbar sogar gegen eine erneute HIV-Infektion zu immunisieren. Zuvor war weltweit kein einziger Fall einer Heilung von dem AIDS Virus HIV bekannt. Gleichzeitig heilten die Ärzte die Leukämie-Erkrankung (Blutkrebs) des Patienten.

Ein Artikel von Zeit Online beschreibt ruhig und einfühlsam die faszinierende Heilung des Patienten, die von Ärzten und Medien teilweise auch als “Sensation” oder “Wunder” bezeichnet wird.

Er wirkt auf seltsam gebrochene Weise jugendlich, wie ein flügger Vogel mit verletzten Flügeln. Sein Gang ist schleppend, unsicher. Als er sich auf das braune Ledersofa im Büro seines Doktors hockt, sieht er verloren aus auf dem riesigen Möbel und dennoch voller Selbstbewusstsein. Tatsächlich ist der Mann 44 Jahre alt. Dass man ihm sein Alter nicht ansieht, ist umso erstaunlicher, wenn man weiß, was er durchgestanden hat.

Vor 18 Monaten wurde Neil von der Boulevardpresse regelrecht gejagt und musste gegen die Öffentlichkeit streng abgeschirmt werden. Zeitweise lebte er außerhalb Berlins in einer geheimen Wohnung. Neil ist, soweit bekannt, der erste und einzige Mensch, der von dem Aids-Virus HIV geheilt wurde. Seit mehr als drei Jahren schluckt er keine Medikamente mehr gegen den tückischen Erreger, trotzdem ist das Virus aus seinem Körper verschwunden. Und nach menschlichem Ermessen wird HIV ihn auch nie wieder befallen können. Doch seine Heilung war ein Drama. »Man kann dabei sterben«, sagt Neil lakonisch.

Zweimal ist er dem Tod von der Schippe gesprungen. Zwei der schlimmsten Geißeln, die die moderne Medizin kennt, trafen ihn. Neil war viele Jahre lang HIV-positiv. Dann erkrankte er außerdem an Krebs. Und wie es heute aussieht, war sein doppeltes Unglück gerade der Grund dafür, dass er jetzt mehr oder weniger gesund ist.

In einem Interview bei Zeit.de mit dem Sprecher des Kompetenznetzes HIV/AIDS, Norbert Brockmeyer, sagt dieser:

Das Problem ist, und das wissen wir schon seit Jahren, dass das Virus seine Affinität für Rezeptoren ändert. Es gibt noch einen zweiten Rezeptor, den sogenannten CXCR4, den das Virus nutzt, um eine Zelle zu infizieren. Die Frage ist jetzt, wie lange braucht das Virus, bis es sich wieder so weit vermehrt hat, dass es auf der einen Seite wieder nachweisbar ist und auf der anderen Seite den Rezeptortyp gewechselt hat. Noch sieht alles sehr fantastisch aus, aber wir müssen schauen, was in den nächsten Monaten passiert.

Die Umstände der Heilung machen deutlich, dass es ein besonderer Einzelfall war, einen enormem Überlebenskampf mit Transplantation, Chemotherapie und Koma des auch an Krebs erkrankten HIV-infizierten Patienten erforderte und so eine Behandlung für die meisten anderen Betroffenen nicht direkt möglich ist.

Brockmeyer:

Die Suche nach einem Knochenmarkspender für einen Leukämiepatienten dauert oft Monate. Dann noch jemanden zu finden, der die notwendige Rezeptorveränderung hat, die das Virus daran hindert, eine Zelle zu infizieren, ist wie das Suchen der Nadel im Heuhaufen. In Deutschland und Europa haben gerade ein Prozent der Bevölkerung diese Veränderung im CCR5-Rezeptor. Dann gibt es eine Vielzahl von Nebenwirkungen, die bis zum Tod führen können. Das heißt, eine Transplantation ist nicht irgendetwas, dass man jedem HIV-Patienten, der nicht gerade eine Leukämie hat, anraten sollte.

HIV/AIDS bleibt also auch nach dieser erstmalig gelungenen Heilung noch für lange Zeit ein großes Problem für die Menschheit. Doch der jüngste Erfolg im Kampf gegen die zuvor unbesiegbare Krankheit gibt begründete Hoffnung und ist ein wichtiger Durchbruch für die Erforschung von Behandlungs-, Heilungs- und Immunisierungs-Methoden.

Zeit.de:

Natürlich wollten die Berliner Ärzte ihren Erfolg wiederholen, aus einem Einzelfall eine richtige Studie machen. Acht weitere HIV-infizierte Leukämiekranke wurden an Thiel überwiesen. Doch wiederholen konnte er seinen Erfolg nicht. Für diese Patienten fand sich kein einziger [geeigneter] Spender.

Dennoch könnte aus Neils Heilung eines Tages auch eine Kur für andere HIV-Patienten erwachsen: In den USA steht der erste Test einer Gentherapie an, die Neils Heilung nachempfindet, aber nicht auf einen unwahrscheinlichen Glückstreffer bei der Knochenmarkspende angewiesen sein soll. Die Forschungsperspektive ist eine Resistenz gegen jenes Virus, das die Welt mit der Seuche Aids überzieht.

Neil ist schon resistent. Sein neues Immunsystem verhindert, dass er sich erneut mit HIV infiziert. Er kann auch niemanden anstecken.

In der FAZ gibt es ebenfalls einen interessanten Artikel zu der erfolgreichen HIV-Heilung. Dort steht ein anderer Arzt im Mittelpunkt aber die Aussagen sind ähnlich und es wird erneut deutlich, dass der Erfolg nicht ohne weiteres wiederholbar ist:

Auf der Welt-Aidskonferenz in Wien will er nun seine neuen Forschungsergebnisse vorstellen. Acht mögliche Patienten hat er seit 2008 betreut. In nur einem Fall, für eine dreijährige Russin, fanden sich 120 mögliche Spender, darunter auch einer mit der CCR5-Mutation. Drei weitere Leukämiekranke warten noch auf ihre Ergebnisse und können darauf hoffen, dass sich ein solcher Spender findet. Zwei HIV-Infizierte mussten behandelt werden, ohne dass sich ein Spender mit der Mutation gefunden hätte. Sie wären sonst an dem Blutkrebs gestorben. Die letzten beiden Patienten starben, ohne dass Hütter ihnen helfen konnte.

Ein nicht zu vergessender Aspekt der jetzt entdeckten Heilmethode von HIV-Infektionen ist die Erkenntnis, dass es jetzt noch einen weiteren guten Grund gibt, sich als Knochenmarkspender registrieren zu lassen: So kann man nicht nur die Chance erhalten, einem krebskranken Menschen das Leben zu retten. Wie sich jetzt gezeigt hat, helfen Knochmarkspenden außer im Kampf gegen Krebs auch in der AIDS-Forschung und der Heilung von HIV-Infektionen.

Darüber, wie eine Knochenmarkspende abläuft und über die Möglichkeiten, sich als potenzieller Knochenmarkspender registrieren zu lassen, kann man sich z.B. auf den folgenden Webseiten informieren: