Private Krankenversicherung Billigtarife in der Kritik

Auf Werbebannern und in Emails wird teilweise damit geworben, dass man in eine private Krankenversicherung wechseln und sich dort schon für z.B. 59,- oder 89,- Euro monatlich versichern könne.

Auf diese Art wäre der Versicherte in der Lage, jährlich tausende Euro zu sparen. Seriöse Fachleute, Vermittler und Berater distanzieren sich von solchen Werbemethoden, kritisieren Billigtarife und klären Interessenten auf:

Monatsbeiträge dieser geringen Höhe basieren auf seltenen Sonderfällen und Rechentricks, sind für kaum jemanden tatsächlich erhältlich und bieten keinen nennenswerten Leistungsvorteil gegenüber gesetzlichen Krankenversicherungen. Solche Tarife haben sogar Nachteile gegenüber der GKV.

In die PKV wechseln aus Geldnot?

Die Wahrheit ist: PKV Tarife können zwar preisgünstiger sein als alternativ zu zahlende Krankenkassenbeiträge, das gilt jedoch besonders für Versicherte mit relativ hohem Einkommen, die nicht mehrere junge Kinder haben oder zu bekommen planen.

Wer sich trotz eines relativ geringen Einkommens privat versichern darf und mehrere junge Kinder hat, ist in einer gesetzlichen Krankenversicherung oft besser aufgehoben als in einem privaten Einsteiger- bzw. Billigtarif.

Aus Geldnot sollte man nicht von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung wechseln, denn die größte Stärke der PKV sind Ihre invididuell anpassbaren, hochqualitativen, modernen medizinischen Leistungen, die man für 59,- Euro Monatsbeitrag sowieso nicht erhält.

Nachteile von PKV Billigtarifen

So warnt auch das Ratingunternehmen Franke & Bornberg in einer aktuellen Veröffentlichung vor den billigen “Einsteigertarifen”:

Patienten bekommen keine Leistung, wenn sie eine ambulante Psychotherapie benötigen, auch Rehas und Kuren sowie künstliche Befruchtungen und Heilpraktiker-Behandlungen werden nicht bezahlt. Und die üblichen Bestimmungen für Zahnersatz gelten nicht.

In solchen Tarifen besteht kein Spielraum, Leistungen aus Kulanz zu erstatten. Zudem sind wegen der knappen Kalkulation künftig überdurchschnittliche Beitragssteigerungen nicht auszuschließen.

Das Optimimum ist ein individueller Kompromiss

Letztlich muss sich der Versicherte gut beraten entscheiden, welcher der drei Aspekte “Leistung”, “anfänglicher Monatsbeitrag (und Selbstbeteiligung)” sowie “Beitragsstabilität” ihm beim Krankenversicherungsschutz wie wichtig ist, denn:

Die besten Versicherungsleistungen gibt es natürlich nicht in den billigsten Tarifen. Die momentan billigsten Tarife sind höchstwahrscheinlich nicht die zukünftig beitragsstabilsten. Ein Wechsel des Tarifs kann nach neu hinzugekommen gesundheitlichen Problemen schwer oder unmöglich werden.

Gesunde Skepsis ratsam

Deshalb muss der ehrliche Ratschlag lauten: Finger weg von Angeboten, die mit Monatsbeiträgen von unter 100,- Euro für eine private Krankenversicherung werben! Und Vorsicht bei PKV-Tarifen mit Monatsbeiträgen deutlich unter 200,- Euro, denn dort sind hohe Selbstbeteiligung, relativ geringer Leistungsumfang, wenig Kulanzbereitschaft und überdurchschnittliche Beitragssteigerungen zu erwarten.

Um einen für Sie individuell guten PKV-Tarif zu finden, lassen Sie sich unbedingt von seriösen und möglichst unabhängigen Experten beraten. Legen Sie gesunde Skepsis an den Tag und wenn etwas zu gut klingt, versuchen Sie es durch weitere eigene Recherchen zu überprüfen.

Handlungsunfähig durch Zögern

Die Entscheidungen für eine gesetzliche oder private Krankenversicherung, für einen konkreten Tarif und die damit zusammenhängenden Gestaltungsmöglichkeiten, wie die Höhe der Selbstbeteiligung, haben langfristige Folgen für Ihre Gesundheit und Ihren Geldbeutel. Sie sollten darum gut informiert getroffen werden.

Zögern Sie nur nicht zu lange damit, sich zu informieren, beraten zu lassen, sich zu entscheiden und — wenn sinnvoll — einen Wechsel zu machen. Sonst können Ihnen neu hinzugekommene Diagnosen die Möglichkeit nehmen, noch etwas an Ihrer Krankenversicherung zu ändern.

Mit möglicherweise sogar schwerwiegenderen Folgen als der Wechsel in einen Tarif, der vielleicht nicht alle Ihre Wünsche gleichzeitig optimal erfüllt, aber für Sie besser ist als Ihr bisheriger (und dann leider nicht mehr zu ändernder) Versicherungsschutz.

Beiträge anderer Websites zum selben Thema:
Chat Private Krankenversicherung, Billigtarife: Expertin antwortet – test.de
Krankenversicherung für 59 Euro – verbraucherschutz.tv
Private Krankenversicherungen: Experten warnen vor Billigtarifen – tarifcheck24.com
PKV: Franke & Bornberg warnt vor Billigtarifen – private-krankenkasse-pkv.de
DKV: Keine Billigtarife mehr – krankenversicherung-experte.com

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5 Kommentare zu “Private Krankenversicherung Billigtarife in der Kritik”

  1. [...] Viele Menschen möchten in die private Krankenversicherung wechseln um dort besserer Leistungen zu erhalten als in der gesetzlichen Krankenkasse. Die Werbung vieler Anbieter suggeriert man könne sich bereits für 59 Euro in der privaten Krankenversicherung versichern. Experten warnen jedoch davor voreilig in die private Krankenversicherung zu wechseln, da speziell in den Billigtarifen die Leistungen oftmals schlechter sind als in der GKV. Einen vollständigen Artikel zum Thema Billig-Tarife Private Krankenversicherung. [...]

  2. [...] Krankenversicherungen zu haben sind, zahlen die Versicherten jedoch nicht nur einen niedrigen Preis, sondern müssen auch mit weniger Leistungen auskommen. Wer hier den Versicherungsvertrag nicht genau gelesen hat, der hat bei einer entsprechenden [...]

  3. Erich says:

    Aufschlussreicher Beitrag. Bestimt keine schlechte Sache, sich damit detailierter zu beschaeftigen. Ich werde bestimmt die weiteren Artikel lesen.

  4. silver price says:

    Die private Krankenversicherung bietet den Personen, die zum Abschuss einer PKV berechtigt sind, eine private Krankenvollversicherung an, die den Versicherungsnehmer optimal in seiner gesundheitlichen Versorgung und in allen medizinischen Bereichen absichert. Sie enthält als Basis die ambulante, stationäre und zahnmedizinische Versorgung. Weitere Leistungen, die vom Versicherungsnehmer individuell gewünscht werden, können in die Krankenvollversicherung mit eingeschlossen werden. Das könnte beispielsweise die Kostenübernahme der Behandlung durch einen Heilpraktiker sein, aber auch die Psychotherapie und weitere Zusätze wie eine Auslandskrankenversicherung. Der Private Krankenversicherung Vergleich lohnt auf jeden Fall.

  5. silver price says:

    Neben einer gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) mit Grundlage einer Pflichtversicherung, freiwilligen Versicherung oder Familienversicherung hat der Versicherungsnehmer grundsätzlich immer die Möglichkeit Gesellschaften miteinander zu vergleichen und ggf. in eine private Krankenversicherung (PKV) zu wechseln. Gesetzliche Krankenkassen orientieren sich in der Regel streng an ihrem Auftrag, die Gesundheit der Versicherten zu erhalten oder wiederherzustellen und Krankheitsbeschwerden zu lindern. Private Kassen, die zusätzliche Leistungen anbieten, sind für viele Versicherungsnehmer unter Umständen sehr viel attraktiver, da beispielsweise Leistungen im Rahmen einer “Besserung des allgemeinen Gesundheitszustandes” erstattet werden können.

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