Archive for the ‘Gesundheitssystem’ Category

Bankraub statt Krankenversicherung

Wednesday, June 22nd, 2011

R. J. Verone, ohne Krankenversicherung — Gefängnis als einzige Chance auf Behandlung

Herr Verone wusste, dass er medizinische Hilfe benötigt. Er spürte den Klumpen an der Brust, seine zwei kaputten Bandscheiben schmerzten unerträglich und sein linker Fuß machte Probleme. Er wusste, dass er als 59-jähriger Arbeitsloser ohne Ersparnisse und ohne Krankenversicherung in den USA keine angemessene ärztliche Versorgung bekommen kann.

Also fasste er einen Plan. Er verkaufte er seine Möbel, kündigte seine Wohnung und verbrachte ein paar Tage in einem Hotel, bevor er am 9. Juni in einem Taxi zu einer Bank fuhr.

Der Bankangestellten gab er einen Zettel: “Dies ist ein Banküberfall. Bitte geben Sie mir nur einen Dollar.” Dann sagte er: “Ich werde mich dort drüben hinsetzen und auf die Polizei warten.”

James Verone setzte sich, die Bank alarmierte die Polizei, die Beamten kamen und nahmen ihn fest. Er hatte sein Ziel erreicht.

Er wollte nicht möglichst viel Geld für gute Ärzte rauben: “Ich bin reingegangen und ich wollte ins Gefängnis.”

Häftlinge werden kostenlos medizinisch versorgt. James Verone hofft auf mindestens drei Jahre Haft.

Er sei kein politischer Mensch, hat aber eine Meinung zum Thema soziale Gesundheitsversorgung: Wenn es so etwas in den USA gäbe, würde er vermutlich nicht durch eine Trennwand in einem orangefarbenen Overall mit der Presse sprechen. “Wenn man seine Gesundheit nicht hat, hat man gar nichts.”

US-Präsident Barack Obama setzte im vergangenen Jahr eine Gesundheitsreform durch, doch laut einer aktuellen Umfrage sind noch immer etwa 16 Prozent der Amerikaner ohne Krankenversicherung.

Quellen:
Spiegel Online
PolitBloggger.eu

Interview (auf Englisch):

GKV Zusatzbeiträge trotz Hartz IV

Wednesday, February 2nd, 2011

Bisher mussten Empfänger von Hartz IV Zusatzbeiträge Ihrer Krankenkasse komplett selbst bezahlen. In besonderen Härtefällen wurden die Zusatzbeiträge von den Arbeitsagenturen übernommen. Seit 1. Januar 2011 haben sich die gesetzlichen Regelungen diesbezüglich verändert.

Nun ist für gesetzlich versicherte Leistungsempfänger, nicht mehr nur der tatsächliche Zusatzbeitrag der jeweiligen Krankenkasse von Bedeutung, sondern auch der durchschnittliche Zusatzbeitrag.

Der durchschnittliche Zusatzbeitrag wird jedes Jahr von der Bundesregierung auf Basis der wirtschaftlichen Entwicklung der Gesetzlichen Krankenkassen festgelegt. Bei Hartz-IV-Empfängern übernimmt der Gesundheitsfonds der Bundesregierung die Zahlung an die Krankenkasse.

Ist der tatsächlich erhobene Zusatzbeitrag der Krankenkasse höher als der durchschnittliche Zusatzbeitrag, erhält die Krankenkasse keinen Ausgleich für die entstandene Differenz. Für das Jahr 2011 wurde ein durchschnittlicher Zusatzbeitrag von null Euro beschlossen, was dazu führt, dass die Krankenkassen die einen Zusatzbeitrag von ihren Mitgliedern verlangen, keinen Anteil vom Gesundheitsfonds erhalten.

Im Zuge der aktuell Gesundheitsreform 2011 wird es den Krankenkassen ermöglicht, diese ausstehende Differenz durch eine entsprechende Satzungsänderung von betroffenen Versicherungsnehmern einzufordern. Damit sind Leistungsempfänger verpflichtet, den Fehlbetrag aus eigener Tasche zu zahlen.

GKV und PKV: Was ändert sich für Versicherte?

Monday, November 15th, 2010

Der deutsche Bundestag beschloss am Freitag die umstrittene Gesundheitsreform zur Finanzierung der gesetzlichen Krankenkassen. Was ändert sich für die Versicherten?

Arbeitnehmer: Gesetzliche Krankenversicherung wird teurer

Die Krankenkassenbeiträge für rund 71 Millionen Versicherte steigen zum Jahreswechsel von 14,9 auf 15,5 Prozent des Bruttolohns. Arbeitnehmer und Rentner mit 8,2 Prozent ihres Bruttolohns zukünftig 0,3 Prozent mehr als bisher.

Dadurch steigen die Einnahmen der Krankenkassen um gut 6 Millarden Euro. Außerdem können sie einen Zusatzbeitrag in unbegrenzter Höhe einfordern anstatt wie bisher höchstens 37,50 Euro oder 1 Prozent des Einkommens des Versicherten.

Einkommen Arbeitnehmer-Anteil Mehrkosten Maximaler Zusatzbeitrag
500,00 41,00 1,50 10,00
1000,00 82,00 3,00 20,00
1500,00 123,00 4,50 30,00
2000,00 164,00 6,00 40,00
2500,00 205,00 7,50 50,00
3000,00 246,00 9,00 60,00
3500,00 287,00 10,50 70,00

Für die neue Kopfpauschale wird es einen steuerfinanzierten Sozialausgleich geben wenn die jeweilige Krankenkasse mehr  als 2 Prozent des sozialversicherungspflichtigen Einkommens aller Beschäftigten benötigt.

Arbeitgeber: Beitrag wird eingefroren

Der Anteil der Arbeitgeber am Krankenversicherungsbeitrag steigt um ebenfalls 0,3 auf 7,3 Prozent und wird dann eingefroren. Das bedeutet, dass Arbeitnehmer 0,9 Prozent mehr zahlen als Arbeitgeber und zukünftige Beitragssteigerungen durch die Arbeitnehmer allein getragen oder durch Steuerzuschüsse finanziert werden müssen.

Arbeitslose: ALG I und ALG II

Die Empfänger von ALG I müssen den Zusatzbeitrag selbst bezahlen. Für ALG II Empfänger wird er dagegen aus Steuern finanziert.

Leichterer Wechsel in die PKV

Wer ein Jahreseinkommen von mehr als 50000 Euro hat, kann sofort in die private Krankenversicherung wechseln. Bisher musste für einen Wechsel in die PKV diese Pflichtversicherungsgrenze in 3 aufeinander folgenden Jahren überschritten werden.

Wenn die Kasse erstmalig einen Zusatzbeitrag erhebt oder ihn erhöht, hat man ein Sonderkündigungsrecht von zwei Monaten. Zusatzbeiträge muss man während der Frist nicht zahlen.

Zusatzversicherungen weiter erlaubt

Gesetzliche Krankenversicherungen dürfen, entgegen den ursprünglichen Plänen der Koalition, weiterhin Zusatzversicherungen für Chefarztbehandlung und Einbettzimmer anbieten.

Strafzuschläge

Zahlt ein Kassenmitglied über einen Zeitraum von sechs Monaten oder länger seine Zusatzbeiträge nicht, kann die Krankenkasse einen Verspätungszuschlag einfordern: maximal die Summe der letzten drei Zusatzbeiträge, mindestens jedoch 30 Euro sind zulässig. Solange die Zusatzbeiträge und Verspätungszuschläge nicht gezahlt sind, besteht auch kein Anspruch auf den Sozialausgleich.

Wann kommt die nächste Reform?

Bundesgesundheitsminister Rösler verkündet, dass die Finanzierung der Krankenkassen mit dem neuen System auf Jahre hinaus gesichert ist. Ähnliche Prognosen früherer Amtsinhaber haben allerdings nicht lange gehalten. Die Opposition hat schon angekündigt, die Reform nach 2013 rückgängig zu machen.

Noch zu stoppen?

SPD, Grüne und Linkspartei lehnen das schwarz-gelbe Modell ab und setzen statt dessen auf eine Bürgerversicherung: Alle Bürger sind in einem einheitlichen System versichert, wobei sie auf alle Einkunftsarten — also auch auf Mieteinnahmen, Pachten oder Kapitalerträge — Beiträge entrichten müssen.

Quellen:
BZ-Berlin, Wedel Schulauer Tageblatt, Frankfurter Rundschau, Bild, Welt, Stuttgarter Zeitung

Heftige Kritik an Gesundheitsreform

Friday, November 12th, 2010

Frank Walter Steinmeier (SPD-Fraktionschef) Bildquelle: welt.de

Frank Walter Steinmeier (SPD-Fraktionschef) hat Bundesgesundheitsminister Rösler (FDP) kurz vor Verabschiedung der Gesundheitsreform scharf angegriffen. Der Gesundheitsminister lege: “die Axt an eines der besten Gesundheitssysteme der Welt”, sagte Walter Steinmeier. Rösler plane einen “Umsturz durch die Hintertür”:

Der Minister beende die solidarische Finanzierung der Krankenversicherung durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer, führe die Kopfpauschale ein und verlange künftig von den Versicherten Vorkasse beim Arzt zu leisten. “Rösler zerstöre damit die Vertrauensgrundlage, auf der unser erfolgreicher Sozialstaat seit Jahrzehnten beruht”, sagte Steinmeier.

Hintergrund ist, dass Gesundheitsminister Rösler die Arbeitgeberbeteiligung bei 7,3% des Einkommens einfrieren will. Künftige Kostensteigerungen sollen nunmehr nur von den Arbeitnehmern getragen werden. Außerdem ist geplant, einkommensunabhängige Zusatzbeiträge in unbegrenzter Höhe von den gesetzlich Versicherten zu kassieren.

Das “Pharma-Sparpaket” des Gesundheitsministers, welches den gesetzlichen Krankenkassen 2011 Ausgaben von 2 Milliarden Euro für Arzneimittel einsparen soll, geht Steinmeier nicht weit genug. Rösler fehle der Mut, sich gegen die “Selbstbedienungsmentalität der Pharmabranche” durchzusetzen. “Dieses Rückgrat hatte Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, und wie wichtig das ist, zeigt sich heute bei einem Gesundheitsminister, der nicht nur nichts tut, sondern diese Selbstbedienungsmentalität sogar aktiv fördert”, äußerte sich Steinmeier.

(Quelle: Focus.de)

Rösler will an Praxisgebühr festhalten

Friday, November 5th, 2010

Philip Roesler

Bundesgesundheitsminister Philip Rösler (FDP) Bildquelle: faz.net

Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) hat vor an der Praxisgebühr von zehn Euro pro Quartal festzuhalten.

„Die Praxisgebühr bringt den gesetzlichen Krankenversicherungen jährlich 1,5 Milliarden Euro“, erklärte Rösler beim vierten „Wortwechsel“ des Deutschen Ärzteblattes am 2. November vor etwa 500 Ärzten sowie Medizinstudenten an der Berliner Charite. „Angesichts der Finanzsituation kann ich nicht versprechen, dass wir darauf verzichten werden.“ sagte der Bundesgesundheitsminister.

Die Praxisgebühr wurde 2004 von Röslers Amtsvorgängerin Ulla Schmidt (SPD) eingeführt. Eine an der Podiumsdiskussion teilnehmende Hausärztin erwähnte dass der Einzug der Praxisgebühr seit ihrer Einführung für Ärzte und Ärztinnen einen großen Mehraufwand bedeuten. „Für uns ist das ein durchlaufender Posten, der viel Zeit unserer Mitarbeiter in Anspruch nimmt“, kritisierte sie.

Philip Rösler wies auf die Möglichkeit hin, den Ablauf unbürokratischer zu regeln, indem die Praxisgebühr über die Versichertenkarte abgerechnet wird. „Es gibt Modelle, die Gebühr über die elektronische Gesundheitskarte automatisch einziehen zu lassen – ähnlich wie man auch im Internet spezielle Dienste abrechnen kann“, erklärte Rösler. Mit den gesetzlichen Krankenkassen (GKV) bespreche er derzeit die Möglichkeiten. Um ein derartiges Verfahren erfolgreich einzuführen sei allerdings eine flächendeckende Verbreitung der elektronischen Gesundheitskarte und deren Akzeptanz bei den Arztpraxen.